Die Kirche haben wir heute (wie auch gestern) geschwänzt, denn schließlich mußten wir packen. Zur "Morning Session" sind wir natürlich erschienen, um uns richtig zu verabschieden, denn bis auf Dr. Kiula wußte niemand von unserer überstürzten Abreise Bescheid. Nach den üblichen medizinischen Diskussionen, die heute glücklicherweise kurz ausfielen, habe ich mich nochmals für die schöne Zeit bedankt. Meiner Rede folgten die vom "Vorstand" der Pharmazie, der gestern von einem Seminar zurückgekommen ist und nur kurz das Lager inspiziert hat, aber recht dankbar zu sein schien, von Mr. Matonya und Dr. Kiula, dessen Rede sich allerdings auf einen Satz beschränkte, da wir gestern viel mit ihm geredet hatten. Den Förmlichkeiten folgte das Verteilen der Geschenke, die Melle mitgebracht hatte. Eigentlich waren die Kaugummis, Kulis, Sonnenhüte und Taschenmesser ja für die Bevölkerung gedacht, aber es war so viel, daß wir es einfach nicht loswerden konnten. Anna Yona, die "auxiliary nurse" der Pharmazie, wurde mit dem Verteilen beauftragt. Sie warf alles in einen der Hüte und begann, ringsum zu verteilen. Nach drei "Umläufen" war sie fertig, und wir konnten uns eines Lachens nicht erwehren. Lauter schwarze Nurses und Daktaris mit knallgelben Sonnenhüten sind ein Anblick, den man so schnell nicht vergißt. Hoffentlich werden die Photos was...
Anna, unser Hausmädchen, das bis auf Sonntags jeden Tag vom Frühstück bis in den Nachmittag hinein da war, hat von Melle ein paar alte Klamotten und von uns beiden Geld für ihre Dienste bekommen. Außerdem haben wir ihr einen großen Teil unserer Vorräte überlassen, worüber "Mama Happy" sich sehr gefreut hat. Den Rest der frischen Einkäufe von gestern hat uns Joyce abgekauft, mit der wir noch eine nette "tea time" verbrachten.
Um Viertel vor zwölf waren wir komplett fertig und sind zu Dr. Kiula gegangen, der (wie irgendwie schon erwartet) meinte, es gäbe ein Problem. Obwohl gestern alles geklärt worden war, überschnitten sich auf einmal zwei Reisen. Er müßte das erstmal mit dem Bischof klären, der um zwei Uhr vorbeikommen würde. Aber wir würden heute auf jeden Fall bis Dodoma kommen, wenn nötig auch mit dem Land-Cruiser des Krankenhauses, der eigentlich nicht für längere Fahrten geeignet sei. Nun denn, wir saßen also lesend vor unserem Haus, als um halb zwei der Wagen vom Krankenhaus vorfuhr. Der Fahrer bat uns einzusteigen und fuhr dann die 100 Meter bis zum Krankenhaus, wo Dr. Kiula, Mr. Matonya, die "matron" Mrs. Mbobo, Anna Yona und noch ein paar andere warteten, um uns zu verabschieden. Dr. Kiula erklärte uns kurz, daß wir jetzt nach Dodoma gebracht würden und von dort einen Bus in Richtung Dar es Salaam nehmen sollten, da das die einzige Möglichkeit sei, die er sehe. Nach einem kurzen Abschied ging es auch schon los, zuerst durch einige der Dörfer, durch die wir am Montag gefahren waren, bis wir auf die "barabara", die "Main Road", unsere geliebte Buckelpiste, stießen, die aber mit dem Land-Cruiser samt erfahrenem Fahrer durchaus erträglich war. Begleitet wurden wir nur von zwei freien Mitarbeitern des Krankenhauses, die wohl zum Reifenwechseln dabei waren, und einer Bewohnerin des Dorfes, die normalerweise im Dorfladen arbeitete.
Drei glücklicherweise ereignislose Stunden Fahrt durch abwechslungsreiche Landschaften (Dornsavanne, Grassteppe, Buschsteppe, felsiges Hügelland) später waren wir in Dodoma, wo wir uns als erstes auf die Suche nach einer bestimmten Werkstatt machten. Dort wurde einer unserer Begleiter abgesetzt. Danach fuhren wir in die Stadtmitte, wo das Guest-House "C.C.T." liegt, das recht schön und mit 6'000 Shilingi für eine Nacht auch nicht allzu teuer war. Ich fragte den Fahrer nach dem Busbahnhof, und nach afrikanischer Manier fuhr er uns hin, sagte: "Hier fahren die Busse ab", und fuhr uns wieder zurück. Also mußten wir noch mal zu Fuß dorthin laufen, denn wir waren zu baff, um mit dem Fahrer zu diskutieren. Der Erwerb der Fahrkarten war wesentlich entspannter als erwartet, und nach zehn Minuten waren wir im Besitz zweier Karten für je 5'000 Shilingi des Busunternehmens "Shabiby", das mit recht ordentlichen Bussen fünfmal täglich nach Dar es Salaam fährt.
Da hier in ein paar Wochen Wahlen sind und wir überall auf begeisterte Anhänger des Kandidaten von C.C.M. gestoßen sind, wollten wir in ihrem Hauptsitz zwei Wahlplakate, die hier überall herumhängen, bekommen. Mein Kiswahili samt Pantomime reichte aber nur für einen Ansteckbutton - den letzten, den sie noch hatten.
Auf unserer Tour durch die Innenstadt habe ich mir für 8'000 Shilingi eine Trommel andrehen lassen. So eine wollte ich schon immer haben: zwei Kuhfelle, mit Naturdärmen gespannt, schön klein - und der Klang erst! Zu hören nach dem ersten Refrain von Bis daß der Tod...
Nach einem schönen Abendessen im Guest-House fielen wir in einen tiefen Schlaf.