Donnerstag, 31.08.2000

Nach 14 Stunden Flug (inklusive einem wunderschönen Aufenthalt im hübschen Wartesaal von Addis Abbaba [Äthiopien] und einem vorgezogenen Weiterflug) sind wir relativ problemlos in Dar es Salaam angekommen. Auch Paß- und Visumskontrolle lagen erstaunlich schnell hinter uns, und beim Zoll sind wir einfach durchmarschiert. Schon beim Gepäckband kamen uns die ersten "friendi" entgegen (In Kiswahili wird die vorletzte Silbe jedes Wortes betont. Um das auf die englische Sprache zu übertragen, fügen viele Tanzanier ein "i" an die englischen Worte an. "Report-i of-i September five-i 2000-i."). Ob wir schon wüßten, wohin wir wollten, abgeholt würden, Safari, Zanzibar, ... - und ich war so dumm und habe den ersten drei erzählt, was Sache ist. Bei den ersten beiden (noch innerhalb des Flughafens) hat das auch funktioniert und sie sind wieder abgezogen. Der dritte aber, jetzt außerhalb des Flughafens, verfolgte uns über ein Stunde, bis wir ihn endlich wegen "Kopfschmerzen" loswurden - nicht ohne daß er uns vorher an seinen "Bruder" verkauft hatte, der allerdings nur einmal Streß machte, als wir uns nämlich mit einem Taxi entfernten.

Ein guter Tip für alle, die vorhaben, Tanzania zu besuchen: niemals so wirken, als ob Ihr nicht wüßtet, was Ihr wollt, sondern immer definitiv "Nein" sagen!

Der gute Mann, der uns die ganze Zeit begleitete, hatte einen großen Vorteil: wir hatten Ruhe vor den anderen "Safari? Zanzibar?", die alle wiederkamen, als wir uns auf der Treppe vor dem Flughafen ("Empfangshalle") niederließen. Wir sollten nämlich auf jemanden vom Krankenhaus warten, der uns eventuell abholen wollte.

Bevor wir uns einem der netten Schwarzen anvertraut hätten, sind wir lieber zur "Tourist Information" gegangen und haben dort nach Unterkunft und Transport gefragt, denn der Mann vom Krankenhaus war nicht erschienen und die Sonne ging langsam unter (18:00 Uhr). Die Touristeninformation war auch nichts anderes als ein "friendi", der allerdings ein wenig seriöser wirkte und vor allem eine Art Büro hatte. Für den horrenden Betrag von 35$ (für uns beide) bekamen wir dann ein Taxi gen Innenstadt und das, was wir am meisten brauchten - ein Zimmer zum Schlafen. Die Fahrt war bis auf einen umgestürzten Cola-Laster samt dem auf dem Gitter der Ladefläche wütenden Fahrer und riesiger Menschenmenge ereignislos, wenn auch interessant.

Das Hotel lag inmitten einer geschäftigen (und uns reichlich suspekten) Seitenstraße und hieß "King's Palace". Der Name läßt Vermutungen aufkommen, die ich besser gleich im Keim ersticke. Trotz der Tatsache, daß das Hotel vielleicht in ferner Zukunft einmal einen Stern geschenkt bekommt, ließ es sich dort recht gut aushalten. Wir hatten zwar kein Wasser, sondern eine riesige Regentonne, und auch die wurde erst nach vier Anläufen ("We still have no water in our room." - "O.K., wait...") in den Keller gebracht und dort gefüllt, aber wir waren unglaublich müde, so daß uns diese Tatsache nicht weiter störte.

Nach einem kurzen Essen (Rice & Stewed Beef) und einem Gespräch mit dem Meister von der "Tourist Information", der uns versprach, uns für den folgenden Abend noch Zugtickets gen Manyoni zu besorgen, fielen wir wie Steine in das zu kurze Doppelbett mit dem durchlöcherten Fliegennetz, hörten dem Muezzin zu und schliefen ein, nachdem er sein Gebet vollendet hatte. Vorher wäre es auch gar nicht möglich gewesen, denn er sang so voller Inbrunst (und Resonanzen des Lautsprechers), daß bei dem Lärm selbst ein Bär aus dem Winterschlaf erwacht wäre. "Allah akhbar!"