Samstag, 23.09.2000

Spätestens beim Frühstück wurde uns klar, daß der Zimmerpreis ein echtes Sonderangebot war: Tee, frischgepreßter Orangen- oder Passionsfruchtsaft, ein riesiger Teller voll frischer Früchte für jeden, verschiedene Omeletts zur Auswahl, geröstetes Toastbrot und Marmelade. Ich war noch nie so pappsatt nach einem Frühstück!

Heute wollten wir Stonetown, den alten Teil der Hauptstadt Zanzibars, in der wir gestern mit dem Schiff angekommen waren, erkunden. Die fünf Kilometer dorthin haben wir mit einem "Daladala" zurückgelegt. Das sind kleine Laster, die hinten auf der Ladefläche eine große Bank besitzen. Das Ganze erinnert in Größe und Aufbau einer kleinen Kutsche, in die die Afrikaner aber bis zu 20 Personen hineinbekommen. Die Fahrt kostet 100 Shilingi pro Person, ist genauso schnell wie mit dem Taxi und man sieht viel mehr. Einziger Nachteil: Daladalas fahren erst los, wenn sie voll sind, und wenn jemand aussteigt, wird meistens auf einen neuen Fahrgast gewartet. Aber das geht im allgemeinen so schnell von sich, daß man es kaum bemerkt.

In jedem Daladala fährt ein Schreier mit, der das Fahrgeld einsammelt und die Leute aufmuntert, das Sammeltaxi zu füllen. Er hängt sich von draußen an das Daladala und gibt dem Fahrer durch Zeichen zu verstehen, wann er anhalten oder weiterfahren soll. Diese Zeichen werden durch Handschläge auf die Seite der Ladefläche, Schlagen von 100-Shilingi-Stücken auf das Metallgerüst des Daches, eine kleine elektrische Klingel oder Hoch- und Runterwippen auf der Einstiegstreppe gegeben. Und es funktioniert!

Mit allen Mitteln der Kunst haben wir die Tourist-Information gesucht, um Informationen über die Insel zu bekommen, aber erst zwei Stunden später gelang es uns, das unscheinbare Gebäude ausfindig zu machen, wo unsere erste Tat darin bestand, eine aktuelle Karte von Stonetown und Insel zu erwerben. In den zwei Stunden davor sind wir aber auch nicht untätig geblieben. Bananen und wilde Liji wurden eingekauft und erste Eindrücke der schönen Stadt gesammelt. Die Menschen hier scheinen hauptsächlich dem Islam anzugehören, sind allerdings nicht strenggläubig, denn die Frauen tragen lediglich ein Kopftuch, das die Haare bedeckt. In den engen Gassen gibt es viele kleine Läden, die eine genauere Betrachtung wert sind, und natürlich die obligatorischen Souvenirläden, von denen es hier Tausende gibt. Wobei mir schleierhaft ist, wie die alle überleben können, denn jeder verkauft exakt dasselbe. Das ist Afrika...

Auf unseren Rundgängen haben wir ein italienisches Eiscafé gefunden, das am Meer liegt und mit Palmen und (aufgeschüttetem) Sand so schön ist, daß wir es wohl öfter besuchen werden - schon alleine der hohen Temperaturen wegen. Die Luft ist zwar nicht ganz so schwül wie in Dar es Salaam, aber es ist richtig heiß. Mein Kiswahili reicht inzwischen so weit, daß ich ohne größere Probleme einkaufen und nach dem Weg fragen kann, wobei ich die folgende Wegbeschreibung nur manchmal kapiere. Doch wozu hat man Hände und Füße?

Nachmittags sind wir mit dem Daladala zurückgefahren, haben den "Privatstrand", den wir mit lokalen Fischern und ihren Booten teilen, vor dem Hotel ausgiebig genutzt und sind abends im Restaurant des Hotels zum Essen gegangen.

Noch vor dem Abendessen stand der Taxifahrer im Hotel, der uns gestern hierher gebracht hatte und dem ich versprochen hatte, wir würden seine Dienste noch einmal in Anspruch nehmen, allerdings unter der Voraussetzung, daß er uns einen "guten Preis" machen würde. Wir wollen morgen zu den "Slave Caves" fahren (etwa 15 Kilometer), und er wollte uns für 40'000 Shilingi (160 Mark!) den ganzen Tag begleiten. Als wir ihm mitteilten, daß wir nur hinfahren wollten und mit einem Daladala wieder zurück, halbierte er den Preis. 80 Mark für 15 Kilometer? Auf Wiedersehen!